Fehler beim Mehrkomponenten-Spritzgießen (2K)
Schwache Haftung zwischen den beiden Komponenten, Anschmelzen der ersten Komponente und Verzug durch den Bimetalleffekt. Entscheidend ist die Verträglichkeit der Werkstoffpaarung.
Wie erkennen Sie den Fehler?
- Schwache Haftung: Bei einer transparenten/transluzenten Komponente wirkt sie durch die Lichtbrechung wie ein RISS.
- Anschmelzen der ersten Komponente: Materialauswaschung im Anschnittbereich, eine veränderte Wanddicke oder eine farbige Markierung.
- Verzug durch den Bimetalleffekt bei Hart/Hart-Kombinationen; Verformung durch Kompression in der weichen Komponente.
Physikalische Ursachen
- Die Haftung entsteht durch Diffusion; entscheidend ist die CHEMISCHE VERWANDTSCHAFT der Werkstoffpaarung (die Styrolfamilie haftet gut untereinander, die Ester-/Carbonatgruppe untereinander; bei Polyolefinen haftet nur der GLEICHE TYP — PE mit PE, PP mit PP).
- Eine teilweise fehlende Haftung entsteht oft durch Öl/Fett, das über die Werkzeugtemperatur oder mechanische Belastung in die Kavität „kriecht“.
- Trifft die zweite Schmelze im 90°-Winkel auf die erste und wird die Schmelz- bzw. Glasübergangstemperatur überschritten, schmilzt die erste Komponente an.
- Durch das stufenweise Spritzen hat die 2. Schmelze ein höheres Schwindungspotenzial als die 1. — der Schwindungsunterschied verursacht Verzug.
- Weiche TPE sind stark kompressibel; bei hohen Nachdruckparametern verformen sie sich.
Abhilfe an der Maschine
Führen Sie die Schritte der Reihe nach und einzeln aus: Warten Sie nach jeder Änderung einige Zyklen und bewerten Sie das Ergebnis. Zeigt sich keine Verbesserung, nehmen Sie die Änderung zurück und gehen zum nächsten Schritt über.
- Bei schwacher Haftung: Kontaktfläche auf Öl-/Fettverschmutzung prüfen und das Werkzeug reinigen; Zykluszeit verkürzen; Werkzeugwandtemperatur der 1. Komponente ERHÖHEN; Schmelzetemperatur der 2. Komponente erhöhen.
- Nachdruckzeit: bei Thermoplasten ERHÖHEN, bei TPE VERRINGERN (damit die weiche Komponente nicht komprimiert wird).
- Schmilzt die erste Komponente an: Einspritzgeschwindigkeit der 2. Komponente senken (oder ein Schnell-langsam-Profil verwenden), Werkzeugtemperatur der 1. Komponente senken, einen Film-/Schirmanschnitt verwenden.
- Bei Verzug — 1. Komponente: Nachdruck und Nachdruckzeit VERRINGERN, Werkzeugtemperatur erhöhen. 2. Komponente: Nachdruck ERHÖHEN, Werkzeugtemperatur senken.
- Bei Verformung der weichen Komponente am Anschnitt: ein abfallendes Nachdruckprofil verwenden und die Zeit verkürzen.
Abhilfe in Werkzeug, Konstruktion und Material
- Wählen Sie die Werkstoffpaarung anhand der Haftungsmatrix; stimmen Sie sich in jedem Fall mit dem Rohstoffhersteller ab.
- Verbessern Sie die Gestaltung der Kontaktflächen: bei Hart/Hart-Kombinationen die Kontaktfläche vergrößern, ohne scharfe Kanten zu erzeugen; blindpolierte Oberflächen sind vorzuziehen.
- Der Anschnitt der 2. Komponente DARF NICHT an DERSELBEN Stelle liegen wie der der 1.; optimieren Sie die Kühlung des Anschnittbereichs.
- Ziehen Sie einen Werkstoff mit hoher Wärmeformbeständigkeit (für die 1. Komponente) oder einen zusätzlichen Anschnitt zum Ausgleich der Schwindung in Betracht.
Wichtige Hinweise
- ⚠️ Der ERSTE SCHRITT der Fehlersuche: Betrachten Sie jede Komponente EINZELN und wenden Sie die Lösung für den jeweiligen Fehler dieser Komponente an.
- ⚠️ Häufige gut haftende Paarungen: ABS↔PC, ABS↔PMMA, PC↔PBT, SAN↔PMMA, TPE-S oder TPE-V auf PP, TPE-U auf ABS/ASA/PA/PC/SAN. POM haftet nur an sich selbst und an TPE-U; PE-HD und PP haften NICHT aneinander.
Erstellt von:Uğur Çamlıca· Teknik Part · Quelle: Herstellerdokumentation und Praxiserfahrung