Die Teilekosten, mit denen Angebote kalkuliert werden, entstehen oft, indem man den Rohstoffpreis mit einem Faktor beaufschlagt. Mit dieser Methode gewinnen Sie kurzfristig vielleicht Aufträge; sie zeigt aber nicht, welcher Auftrag Geld verdient und welcher Verlust macht.
In diesem Artikel zerlegen wir die Kosten Posten für Posten und zeigen an einem Rechenbeispiel, wo wie viel verloren geht.
| Position | Typischer Anteil | Was sie umfasst |
|---|---|---|
| Rohstoff | 50–70 % | Neuware, Masterbatch, Additive |
| Maschinenstunde | 20–35 % | Abschreibung, Energie, Personal, Gemeinkosten |
| Werkzeugamortisation | 3–10 % | Werkzeugpreis geteilt durch die geplante Stückzahl |
| Ausschuss | 1–8 % | Verlorenes Material + verbrauchte Maschinenzeit |
| Nachfolgende Arbeitsgänge | Variabel | Montage, Bedrucken, Verpacken, Qualitätskontrolle |
Dass die Anteile so weit streuen, ist normal: Bei einem technischen Teil sinkt der Rohstoffanteil und der Personalanteil steigt; bei einem einfachen Verpackungsteil ist der Rohstoff die dominierende Position.
Rohstoffkosten = (Teilegewicht + Angussanteil) × Preis pro Kilogramm
Bei einem Kaltkanal kann der Angussanteil einen erheblichen Teil des Teilegewichts erreichen. Wird der Anguss gemahlen und wiederverwendet, sinken die Kosten, fallen aber nicht auf null – auch das Mahlen kostet Geld.
Mit einem Heißkanal entfällt diese Position vollständig: Was ist ein Heißkanalsystem?
Der Einsatz von Mahlgut muss kontrolliert erfolgen: Mahlgut und Rückgewinnung von Ausschuss
Der Maschinenstundensatz gibt an, was eine Betriebsstunde dieser Maschine den Betrieb kostet:
Maschinenstundensatz = (Jährliche Abschreibung + Energie + Personal + Gemeinkosten) / Jährliche Betriebsstunden
Worauf zu achten ist:
Maschinenkosten pro Teil = (Maschinenstundensatz / 3.600) × Zykluszeit / Kavitätenzahl
Diese Formel zeigt unmittelbar den Einfluss der Zykluszeit auf die Kosten.
Die Daten eines Teils:
| Eingabe | Wert |
|---|---|
| Teilegewicht | 45 g |
| Angussanteil (pro Teil) | 5 g |
| Rohstoffpreis | Einheit/kg |
| Zykluszeit | 30 s |
| Kavitätenzahl | 4 |
| Maschinenstundensatz | Einheit/h |
Maschinenzeit pro Teil: 30 / 4 = 7,5 Sekunden
Damit beträgt die Zahl der Teile, die in einer Stunde produziert werden können: 3.600 / 7,5 = 480 Teile
Maschinenkosten pro Teil: Maschinenstundensatz / 480
Nehmen wir nun an, Sie senken die Zykluszeit von 30 Sekunden auf 25 Sekunden:
Da sich die Rohstoffkosten nicht ändern, fällt die Senkung der Gesamtkosten geringer aus – aber die Kapazität ist um 20 % gestiegen. Mit derselben Maschine lassen sich mehr Aufträge übernehmen.
Methoden zur Verkürzung der Zykluszeit: So verkürzen Sie die Zykluszeit beim Spritzgießen · Rechner: Schließkraft-, Schnecken- und Kühlzeitberechnung
Werkzeugkosten pro Teil = Werkzeugpreis / Geplante Gesamtstückzahl
Hier werden häufig zwei Fehler gemacht:
1. Die geplante Stückzahl wird optimistisch angesetzt. Wird die Stückzahl nicht erreicht, sind die Werkzeugkosten nicht gedeckt. 2. Die Wartungskosten werden vergessen. Auch Wartung und Überholungen während der Lebensdauer des Werkzeugs gehören zu dieser Position: Werkzeugwartung und Inspektionsplan
Ausschuss ist nicht nur verlorenes Material. Ein Teil, das verworfen wird, hat auch Maschinenzeit verbraucht.
Tatsächliche Kosten = Kalkulierte Kosten / (1 − Ausschussquote)
Auf einer Linie mit 5 % Ausschuss liegen die tatsächlichen Kosten eines Gutteils etwa 5,3 % über dem kalkulierten Wert. Steigt die Quote auf 10 %, nähert sich die Differenz 11 %.
Um die Ursache des Ausschusses zu finden: Spritzgießfehler-Ratgeber · Prozessdiagnose
In der Großserienfertigung bringt eine Senkung der Ausschussquote meist mehr als Verhandlungen über den Rohstoffpreis.
Posten, die in der Standardkalkulation nicht enthalten sind, in Wirklichkeit aber Kosten verursachen:
Farb- und Materialwechsel. Während der Reinigung produziert die Maschine nicht; Spülschüsse verbrauchen Material. Bei Aufträgen mit häufigen Farbwechseln darf dieser Posten nicht unterschätzt werden: Reinigungszeit bei Farb- und Materialwechseln
Werkzeugwechselzeit. Bei kleinen Losgrößen erreicht der Werkzeugwechsel neben der Produktionszeit einen erheblichen Anteil: Werkzeugwechselzeit
Ungeplante Stillstände. Eine Überholung von Schnecke und Zylinder, ein Werkzeugschaden oder ein Trocknerausfall – all das bedeutet Teile, die nicht produziert werden können: Verschleiß von Schnecke und Zylinder
Zu viel Masterbatch. Die zusätzliche Farbe, die bei volumetrischer Dosierung als Sicherheitsreserve zugegeben wird, ist ein Verlust, der sich in jedem Zyklus wiederholt. Diese Verschwendung bei der teuersten Komponente beseitigt die gravimetrische Dosierung: Der Unterschied zwischen gravimetrischer und volumetrischer Dosierung
Energie. Sie steckt im Maschinenstundensatz; wird sie aber nicht separat ausgewiesen, wird auch das Verbesserungspotenzial nicht sichtbar.
Betrachtet man die Anteile der Posten, ergibt sich die Prioritätenfolge von selbst:
1. Rohstoff – der größte Posten. Angussverluste senken, Mahlgut kontrolliert einsetzen, den Masterbatch-Anteil auf den tatsächlichen Bedarf senken 2. Ausschuss – Material und Zeit gehen verloren; doppelte Wirkung 3. Zykluszeit – erhöht unmittelbar die Kapazität 4. Energie – bringt schnelle Einsparungen, sobald sie gemessen wird 5. Stillstände – werden durch geplante Wartung vorhersehbar
Diese Reihenfolge zeigt auch, wo sich Ihr Aufwand lohnt: Bei einem Teil mit 60 % Rohstoffanteil bewirkt eine Verbesserung der Energie um 10 % nur eine sehr kleine Änderung der Gesamtkosten.
Zu Produktionseffizienz und Ausrüstungsauswahl können Sie sich an unser Team für technischen Support wenden.
Dauerhaft senken lässt sich der Maschinenstundensatz, indem Sie eine für den Auftrag passend dimensionierte Maschine wählen; eine überdimensionierte Tonnage bläht sowohl die Investition als auch den Energieposten auf. Die Liste der Baureihen mit ihren Tonnagebereichen: Modelle von Kunststoff-Spritzgießmaschinen.